Angedacht

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„Ohne Worte?“

Vom  Schweigen, bzw. Reden

Auf dem Stuhl, in der Ecke hinten links, sitze ich im Wartezimmer meines Hausarztes wegen eines Rezeptes. Die leisen Klänge einer beruhigend wirkenden Musik klingen ruhig aus dem Lausprecher. Hier herrscht ein vielsagendes Schweigen.

Ich sehe mich um, Blicke der Patienten begegnen sich, werden sofort wieder gesenkt. Die gerötete Nase meines Gegenüber deuten auf einen grippalen Infekt hin. Die Frau neben mir atmet sehr schnell und scheinbar nur oberflächlich. Dann ist da noch der kleine Junge auf dem Schoß seiner Mutter. Ich folgere, dass er sie nur begleitet, ich bin ja nicht beim Kinderarzt. Eine junge Frau tippt, mal lächelnd, mal ernst dreinblickend, eine Nachricht nach der anderen in ihr Smartphone.  

In diesem Schweigen frage ich mich, was wohl die anderen Patienten gerade denken.

Ein Neuankömmling, ein älterer Herr, unterbricht das Schweigen. „Wer von Ihnen ist zuletzt gekommen?“ Aha, denke ich, ein erfahrener Arztbesucher, und gebe durch ein kurzes „Ich“ zu verstehen, dass ich es war.

Er setzt sich neben die Mutter mit dem kleinen Jungen und beginnt sich mit dem Sprössling zu unterhalten. Mit einem einfühlsamen: „Na, was fehlt dir denn?“, nimmt das Gespräch zwischen dem Jungen und dem ‚Opa’ seinen Lauf.

Mir blieben nur noch wenige Minuten, bis ich mein Rezept erhielt. Wäre aber gern noch geblieben. Der alte Herr erfuhr in Kürze, dass es dem Jungen gar nicht gut geh und er eine fürchterliche Angst vor Ärzten hat.

Das wohlwollende, empathische Gespräch, das von einem aktiven Zuhören geprägt war, hüllte das triste Wartezimmer in eine wohlige Atmosphäre.

Nur ungern verließ ich die Praxis, die durch das sympathische Reden des alten Herrn dazu beitrug, dass zumindest die Wartezeit für en kleinen Jungen ihre Bedrohung verlor. (Spr. 16,24)

Eine gesegnete Zeit!

Manuel Bendig