Angedacht

Foto: Thomas Jäger – pixabay

Kindermund

Ein 3 1/2jähriger Junge geht mit seiner Großtante spazieren. Sehnsüchtig steuert er gespannt auf die nahegelegene Baustelle zu, um die Arbeiter bei ihrem Tagewerk zu beobachten. An diesem Tag erlebte der Kleine – den Bauarbeitern mit der Zeit mit seinem nicht zu stillenden Interesse an ihrer Arbeit aufgefallen – einen besonderen Moment. Er durfte im Führerhaus eines Schaufelbaggers Platz nehmen.

Am Schluss des besonderen Ausfluges in die Welt der Bauarbeiter wurde der Knirps vom Baggerführer gefragt, ob er denn auf der Baustelle mitarbeiten würden. Er gab zur Antwort, dass er nicht arbeiten müsse, da seine Oma genug Geld hätte.

Zuhause angekommen konnten sich die Eltern des Dreikäsehoch vor Lachen kaum beruhigen. Auf die Frage, woher er denn wüsste, dass die Oma genug Geld hätte, antwortet der kleine Junge mit ernster Mine: „Bei Oma stehen beim Frühstück immer so viele leckere Sachen auf dem Tisch, die muss sehr viel Geld haben.“

Diese Begebenheit lehrt mich wieder einmal, dass Kinder noch einen so herrlich unverblümten Blick und ein feines Gespür für das Wesentliche besitzen, was uns Erwachsenen viel zu früh abhanden gekommen ist. Für Kinder hat ein reich gedeckter Frühstückstisch etwas mit Reichtum zu tun. Für die Erwachsenenwelt ist es eher etwas Selbstverständliches.

Die Anekdote hat mich neu daran erinnert, wie reich wir wirklich sind und dass die alltäglichen Mahlzeiten keineswegs selbstverständlich sind. Und da wäre noch die Erkenntnis, die mir der kleine Schlaumeier mit seinen Weisheiten nahelegt: Es kommt nicht darauf an, wie viel ich habe, sondern woher es kommt. Dass ich dafür immer wieder dankbar sein kann und mit den Gaben Gottes verantwortungsvoll umgehen sollte.

(Epheser 5,20)

Manuel Bendig